„Kommt in Zeitung?“ Gut gelaunt steckt mir Busfahrer Jurij K. kurz hinter Freudenstadt seine Adresse zu. Wir sind um acht Uhr in Stuttgart gestartet, mit der Gäubahn bis Eutingen gefahren, dort wartet bereits die „S-Bahn“ Richtung Schwarzwald. In Freudenstadt rechnen wir mit einer beispiellosen Busaktion, so das Ergebnis meiner ca. 1-stündigen Recherche vom Vortag. Stattdessen fragt uns Busfahrer Jurij K. ziemlich belustigt, warum wir am Marktplatz umsteigen wollen, wenn wir doch sowieso mit ihm nach Kniebis fahren müßen. Die Tücken der elektronischen Fahrplanauskunft. Jedenfalls schließen wir mit Jurij K. direkt Freundschaft und bitten um ein Foto.

Vom Hotel Alexanderschanze aus wollen wir den Westweg Richtung Süden wandern, vorgesehen sind satte 32 Kilometer bis Hausach. Der Weg verläuft meistens als ordentlicher Trampelpfad mitten durch den Wald, ganz selten werden „ausgebaute“ Waldwege zur Streckenführung verwendet. Das ist absolut herrlich, an den 32 Kilometern ändert das aber definitv nichts. Die ziehen sich und ziehen sich und trotz knapper Pausen müßen wir unsere Ankunftszeit in Hausach im Kinzigtal laufend nach hinten verschieben. Eine kurzen aber deftigen Schauer können wir noch mit den Regenschirmen meistern, dann, 10 Kilometer vor Hausach erreicht die Laune einen neuen Tiefpunkt. Wir fallen der Abzweigung nach Oberwolfach zum Opfer, die uns eine Ersparnis von 5 Kilometern verspricht.
Statt dem Westweg weiter zu folgen nehmen wir am nächsten Morgen den Bus nach Schapach, „Ah Sie haben es passend, excellent!“ und gehen auf dem kleinen Hans-Jakob-Weg Richtung Freudenstadt. Zunächst sind rund 400 Höhenmeter fällig, dann verschwindet der Weg im Unterholz. Kurze Zeit später ist auch unsere Orientierung unauffindbar, „sag mal, stimmt eigentlich die Karte?“ Über den Mittelweg erreichen wir wieder Freudenstadt, die letzten Schritte erspart uns eine freundliche Pensionärin, die uns mit dem Wagen zum Marktplatz spediert. Tatsächlich soll auch eine knappe Stunde später eine S-Bahn Richtung Eutingen starten, so bleibt noch ausgiebig Zeit für eine Samstags-Ausgabe der SZ. Die gut gebuchte „S-Bahn“ fährt ein. „Können wir uns hier hin setzen?“ K. bittet ein Seniorenpaar freundlich um die Herausgabe zweier Plätze eines Vierers. Entrüstung kommt auf. Ob wir nicht woanders sitzen können? Im nächsten Vierer sitzen zwei Übergewichtige und rutschen verlegen zur Seite. Wunderbar, Körperkontakt mit Wildfremden hat was. Kurz darauf ist die Karosse gestopft voller Pensionäre und ihrer Fahrräder – anscheinend sind mittlerweile nicht nur Helme Ausrüstungs-Standard, sondern auch Westen mit vielen kleinen aufgenähten Taschen. Im Interregio ab Eutingen ist dann etwas mehr Platz, v.a. in der 1. Klasse. Hier sitzt kein Mensch und wir trauen uns nicht. Um acht sind wir wieder zurück in Stuttgart. Der Muskelkater morgen wird die Hölle.