Sommerurlaub im Norden.
Kopenhagen. Der erste Eindruck von Kopenhagen: Ist das nett hier! Entspannte Atmosphäre in der U-Bahn vom Flughafen in die Stadtmitte, auf der Straße viele Fahrräder und wenig Autos. Auf dem Fahrrad ist man auch gerne in Schick unterwegs, natürlich ohne Plastikmütze. Und wenn, dann das Ding ausm Skaterladen – und in jedem Fall in schwarz. Es läßt sich offensichtlich gut aushalten in Kopenhagen, nicht nur im Urlaub. Die Menschen machen einen zufriedenen, glücklichen Eindruck. Ob im hostel, in der Bar oder an der Kasse im Museum, überall liegt eine deftige Portion Leichtigkeit in der Luft, gute Laune und Herzlichkeit. Eine Perle ausserhalb Kopenhagens ist das Lousiana, eine Sammlung moderner Kunst untergebracht in mehreren Gebäuden mitten im Grünen. Die living-Ausstellung ist faszinierend, Fotografien und Graphiken , Modelle und Installationen sind zu einer Ausstellung verwoben, bei der wir gespannt durch die Räume gehen, tief bewegt von der künstlerischen Schaffenskraft, die in den Exponaten steckt.
Kopenhagen von oben? Our-saviors-church in Christianshavn verfügt über einen sensationellen Turm, der über einen wunderbaren Überblick über die Dächer von Kopenhagen bietet. Auf den 10 letzten Höhenmetern ist die Treppe auf der Aussenseite angelegt, damit steht der Aussicht nichts im Wege.
Stockholm. War Kopenhagen noch eher übersichtlich, ist Stockholm Grosstadt durch und durch. Kein Wunder, wohnen doch 10 Prozent der 9 Millionen Schweden in und um die Hauptstadt. Dazu Berge von Urlauber die vornehmlich eines im Sinn zu führen haben: Boot zu fahren in und um Stockholm. Uns gehts genauso und so stellen wir uns brav in eine der Schlangen, um an dem einen Tag raus in die Schären nach Vaxholm zu fahren und am anderen Tag den Mälarsee zu durchkreuzen. Wohnen am Wasser muss herrlich sein, leichter Neid auf die Hauptstädter macht sich breit, die angeblich mehrheitlich Boote besitzen und zumindest im Sommer jede freie Minute am Wasser verbringen. Gemahlin und Schuhe, ein ewiges Thema. Für den Schweden-Aufenthalt ist der Erwerb eines Paares eines schwedischen labels angekündigt. Katja zieht am Rechner im Hotel Adressen, am nächsten Morgen solls losgehen. Während die Gemahlin diverse Anschriften aus dem gesamten Stadtgebiet nebst google-maps-Plänen präsentiert, kümmere ich mich um Verbindungen des öffentlichen Nahverkehrs, denn ich fahre schon supergerne Bus und Bahn. Und das klappt in Stockholm ausgezeichnet, zwischen verschiedenen shops, Cafés, Mittagessen und Schläfchen im Park gondeln wir einmal quer durch die Stadt. Und für mich fällt natürlich auch was ab beim Shoppen, Gell. Am Abend ist leider noch kein Paar im Sack, es wird erst am nächsten Morgen gelingen. Und zwar in jenem Laden, der am Tag zuvor morgens noch geschlossen war ;-)))
Tallinn. „Are you sure?“ Meiner Frage entgegnet die freundliche Frau nur ein strahlendes Lächeln – das ich mich in Sachen Weg finden mal wieder richtig verhauen habe, mag ich so nicht akzeptieren. Den Weg zu erklären sei ihr doch zu umständlich, erklärt sie, da nimmt uns am besten ihrem Auto mit, das sozusagen neben ihr steht. So erreichen wir unser Zimmer in Tallinn, Estlands Hauptstadt und Wohnort rund der Hälfte aller estnischer Staatsbürger. Nach eine Runde durch die Altstadt Tallinns leichte Unverständnis ob des hyps um die Kulturhauptstadt 2011. Ein Knaller: das Kumu, Estlands Museum für moderne Kunst, ein Gebäude des finnischen Architekten Pekka Vapaavuori. Absolut sehenswert. Auf dem Heimweg leiere ich Katja noch eine Fahrt mit der Tramm aus dem Rücken. Grund ist die Optik, die sehr an Museumsbahnen erinnert. Und die Bahn hält was sie verspricht, auf dem Weg in den Vorort verführt die Bahn Sprünge wie ein junges Pferd …. Wir übernachten im Swissotel, untergebracht im höchsten Gebäude Tallinns. Vom 27. Stockwerk aus lässt sich die blaue Stunde auf die angenehmste Weise geniessen, drei Stockwerke darüber locken Restaurant und Bar „Horisont“ – zunächst auf jeden Fall – mit spektakulärer Aussicht. Wie sich später herausstellen wird, sind Essen und drinks der Lage angemessen und in jedem Fall empehlenswert. Im tasting menue wird zunächst eine cerviche von Jakobsmuschel und St. Pierre aufgetragen, gefolgt von Steinbutt mit Kartoffeln und einer Vanillesoße und als Hauptgang einem Hirschfilet. Noch etwas Käse mit Honig als Abschluss, dann das Desert in Form eines Schokoladentörtchen mit Tonkabohneneis und Passionsfrucht. So, und jetzt noch eine Menükarte für meine Kochbuchschublade. Oberkellner ist irritiert und reicht mir die Speisekarte. Während ich in meinem übersichtlichem Englisch-Wortschatz nach weiteren hilfreichen Vokabeln krame, verschwindet Oberkellner kurz mit der Speisekarte um mir einen Augenblick später dann die Seiten derselben zu überreichen, ohne den Einband eben. Der Mann weiss sich zu helfen.
Verschiedenes. Wir haben die Reise sehr genossen. In Kopenhagen hatten wir uns in ein hostel eingebucht, mit dem wir rundum zufrieden waren. Zwischen Kopenhagen und Stockholm liegen rund 5 angenehme Stunden Bahnfahrt mit dem Hochgeschwindigkeitszug X2000. Tallinn ist gut per Fähre an Stockholm angebunden, unsere legte abends in Stockholm ab, um am nächsten Morgen Estland zu erreichen.