
Als ich mittags einen Kaffee beim Bäcker an der Straße vorne besorge, höre ich ein Zischen aus dem Keller und bin etwas besorgt. Das ist eher vorsichtig formuliert. Da der Kompressor sozusagen die Lebensader der Praxis ist, sind verdächtige Geräusche gleichbedeutend mit Stress pur. Später gehe ich runter um zu hören, wie das gute Stück Luft verliert. Schöner Mist. Ein Anruf bei Sanitär Schwarz, kurzes hin und her, Herr Schwarz kann vorbei kommen. Wir besprechend weitere Maßnahmen, umstöpseln auf den Kompressor von Herrn Schwarz und Instandsetzung unserer Mühle. Gut. Am Abend bleibt dann der Bohrer stecken, der Kompressor hat früher als geplant die Flügel gestreckt, nichts geht mehr. Wieder ordentlich Telefoniererei, morgen früh kommt das Austauschaggregat. Hoffentlich. Aber auf Sanitär Schwarz ist Verlass, Viertel vor Acht wird im Keller noch getüftelt, bald ist wieder Druck auf der Leitung und wir starten mit 15 Minuten Verspätung in eine Wurzelbehandlung eines unteren kleinen Backenzahnes. Müsste aufzuholen sein, obwohl die klinische Situation nicht einfach ist. Die Kontrolle zeigt eine dicke Überraschung – der Tag ist mein Freund.
Vermischtes
Ein Freund in Rio
Ein Beratungstermin für Endo ist vereinbart. Manche Patienten nehmen im Behandlungszimmer Platz und warten, was da kommen mag. Andere warten auf ein Stichwort um loszulegen. Andere scheinen ihr Glück am liebsten selbst in die Hand zu nehmen und berichten was der Zahn hergibt. So vergangene Woche. Da ist dann auch ein ausführlicher Abstecher zu einem anderen Zahn ist drin oder ein Bericht von einer lang zurückliegenden Behandlung im Ausland („ein Freund in Rio“). Nach gründlichsten Ausführungen gelingt es mir den Zahn zu inspizieren, leider kommen wir zu spät, an Stelle der Zahnkrone hat sich ein schlecht gelaunter Gingivapolyp breit gemacht. Die Wiederherstellung der Krone wird aufgrund der Wurzelkaries nicht gelingen. Schlechte Nachrichten also. Unvermittelt sind wir bei den Kosten der Zahnbehandlung. Ich winke ab, nicht unser Ding, denn für den erforderlichen Zahnersatz ist der überweisende Zahnarzt zuständig. Patient sei Selbstzahler mit hoher Eigenbeteiligung. Und landet einen Augenblck später bei den enormen Kosten im Gesundheitswesen. Und den dickleibigen Menschen. Der Bluthochdruck die Medikamente und was das alles kostet. Er hätte einen Freund, berichtet Patient, den er schon viele Male von der Notwendigkeit einer Gewichtsreduktion zu überzeugen versucht hätte, leider aussichtslos. So steigen die Kosten des Gesundheitssystems laufend weiter. Und wieder das Zahnproblem. In den vergangenen Jahren sei er ja in den Genuß der Beitragsrückzahlung gekommen. Das sei ja immerhin etwas. Vielleicht könnte der Freund in Rio ….
4 Wochen sind rum
Es ist spät geworden und beim Blick auf die nächsten Abfahrten der Strassenbahn steht fest, das es noch etwas dauern könnte. Zur Abwechslung mal ein Taxi? Ab zum Taxistand, rein in die erste Kutsche, ein Benz. Na bitte. Zunächst leichte Verständigungsprobleme bei der Beschreibung des Fahrtziels, ich kann leider kein türkisch. Dann, auf freier Strecke geht Fahrer vom Gas. Und dann wieder und wieder. Stop-and-go. Ungefähr jedes Mal wenn ihm ein anderes Fahrzeug entgegen kommt. Scheint schlecht zu sehen der Gute, leichte Besorgnis meinerseits. Als wir endlich angekommen sind, ist meine Laune leidlich angefressen. Tipp gibts aber trotzdem, will ja kein schlechtes Gewissen haben.
Der letzte Handyvertrag lief vor Monaten aus, eine prepaid-Karte tats auch. Aus dem Handybenutzer ohne Hingabe (entweder Akku leer war oder zuhause liegen lassen oder beides) wurde der Handyverweigerer. Insgeheim immer aufn Iphone gegeiert, aber keinen richtigen Grund gefunden, eins zu besorgen. Bis ich auf die „Fahrplan für unterwegs“-Nummer treffe, die tatsächlich das Leben leichter machen könnte. Nachgedacht. Vertrag abgeschlossen. Applet geladen. Es ist der Traum. Beispiel: Raus aus der Schwimmhalle, schauen wann die nächste S-Bahn geht. Eine knapp davon, die nächste in 25 Minuten. Geht klar. Ein gemütlicher Spaziergang, ein Drink beim Türken, passt. Keine Hetze,keine Unsicherheit, alles ganz einfach. Und natürlich Spiel geladen. Abends in der Stadtbahn gespielt, noch eins und noch eins. Im Hintergrund die Durchsagen an den Haltestellen. Irgendwann gewundert, warum ruckelt die Bahn nicht mehr? Umgeschaut, aha, schon angekommen. Gabs auch noch nie.
4 Wochen sind rum. Klasse. Freu mich jetzt ordentlich aufn Flitzer.
Gala, Garant für gutes Gelingen?
Ein Anruf aus der Praxis für ganzheitliche Zahnmedizin. Die Patientin jung, der Kanal obliteriert. Eine veritable Schwellung, der Chirurg hätte um eine Wurzelbehandlung gebeten, bevor weitere Maßnahmen in Frage kämen. Ich atme auf, es wäre nicht das erste Mal gewesen, wo gut gelaunt reseziert wird und nix erreicht …
Die junge Dame taucht wenige Tage später in der Praxis auf, gebracht von Muttern. Jene hat ebenfalls im Behandlungszimmer Platz genommen, sehr freundlich und aufgeschlossen. Wir besprechen die anstehenden Maßnahmen und schlagen vor zu beginnen. Ob sie hier bleiben könnte, fragt die Mutter. Gerne. Ob sie auch was Lesen könnte. Aber selbstverständlich. Mutter holt sich eine Zeitschrift, wir fangen an. Erklären unterwegs die einzelnen Behandlungsschritte, die Tochter brummt hinterm Kofferdam vor, die Mutter derweil stillschweigend in das Heft versunken. So geht das weiter, bis wir eine Stunde später abschliessen können. Auch die Mutter ist mittlerweile auch auf den letzten Seiten, was für ein timing. Sie schlägt die Zeitschrift zu, bedankt sich freundlich und schnappt sich die Tochter. Was für ein geruhsamer Start in den Tag.
mobiler Segen
Unser Patient an diesem Morgen trägt kariertes Hemd, Jeans, Sportschuhwerk. Und handy am Gürtel. Die Aufklärung ist irgendwie fahrig, unzusammenhängend. Welcher Zahn, weswegen, wieso nicht anders. In mir kocht langsam der Ärger auf unseren Überweiser, anscheinend wurde kaum ein Wort geredet, geschweige denn über Kosten informiert. Aber irgendwie kommen wir vorwärts, werden uns einig. Wunderbar, jetzt kanns losgehen. Dann der unvermeidliche Telefonanruf. Griff an den Gürtel, Blick darauf, wegdrücken.
Der Patient holt tief Luft und fragt: „Kann ich noch schnell telefonieren?“
Ich antworte: „Es scheint sehr wichtig für Sie zu sein, also los“.
10 Minuten später kommt Patient ins Sprechzimmer zurück, entspannt, gelöst zuversichtlich. Wir beginnen wir mit der Wurzelbehandlung, entspannt, gelöst, zuversichtlich.
noch 3 Wochen ohne
Die erste Woche ohne Schein: ein Honigschlecken. Morgens mit Stadt- und S-Bahn in die Praxis, abends entweder mit der Bahn zurück, nach dem Schwimmen, oder mit den Laufschuhen bzw. Rad. Im Hinblick auf das sportliche highlight des Jahres eine höchst produktive Woche.
Immer ein Schnapp: der Radl-Thon. Ein Kreis rund um Stuttgart, abwechslungsreich angelegt und gut aus-
geschildert. Feld, Wald, Wiesen, im Norden gibts noch etwas Fluß und Weinberge dazu. An einem sonnigen Freitag-Nachmittag ist man so gut wie alleine unterwegs, die langen Abschnitte unter den Bäumen westlich von Stuttgart gehören zu den Leckerbissen der Strecke.
