Wenn ich auf meinen Kochklub zu sprechen komme, beginnt die Gemahlin zu schnurren: „Seit du mit den Jungs kochst, hast du echt was dazugelernt.“ Wir sind neun Kochbrüder und treffen uns zu ungefähr 10 Kochabenden im Jahr, um gemeinsam zu kochen, zu tafeln und zu geniessen. Einmal im Jahr ist Hochamt, denn dann wird das einfache Köchlein zum Chef du Jour und verantwortet damit Menü und Wein dieses Kochabends und trägt Rechnung, das alles wie am Schnürchen läuft und lecker auf den Tisch kommt.
Star an diesem Abend sollten neben den Speisen die Weine sein: als Besonderheit hatte ich eine Menü um die Weine Frank Hallers zusammengestellt. Von Stuttgart-Sommerrain aus bewirtschaftet er seine Weinberge in den Steillagen im Zuckerle zwischen Cannstatt und Hofen.
Aperitif. Trollinger-Sekt und einen Salzkuchen auf die Hand. Jener nicht von eigener Hand gebacken, sondern von der Gemahlin. Bevor sie in Sachen Nachtisch und Backwerk Nachhilfe leistet, packt sie lieber selbst an. Und bäckt, während ich die Zutaten kistenweise in den Wagen verfrachte, einen schwäbischen Leckerschmecker, den ich dann heiß durch die Gegend spediere.
Kürbis und Muskateller. Während die Köche noch nebenbei den herrlichen Sekt süffeln, kruschtelt Frank in seiner Kühlbox. Zerknirschter Gesichtsausdruck: „Ich habe statt dem Muskateller Riesling eingepackt!“ Das ist nicht weiter tragisch und Teil einer langen Geschichte von vergessenen Lebensmitteln oder Küchengeräten. Interessanterweise hatte ich die Kürbisteigtaschen eine Woche zuvor im Rahmen eines Probemenüs gekocht und zwei liebe Testesser um ihre Meinung gebeten. Etwas Parmesan könnte nicht schaden, bemerkt A., ich nicke verständnisvoll. Tatsächlich blieb der Käse an diesem Abend ungewollt im Kühlschrank liegen und auch am Kochabend … Ich will gar nicht drüber reden.
Aus Ei, Mehl und Hartweizengries einen Teig fertigen. Kurz ruhen lassen, mit der Maschine ausrollen. Füllung aus gegartem Kürbis, Eigelb, Crème fraîche, zurückhaltende Aromatisierung mit Pfeffer und Muskat. Die Kürbistaschen kochen und in Salbei-Butter schwenken.
Fisch und Riesling. Am Vortag Doraden-Filtes bestellt, am Morgen werden diese fein säuberlich hergerichtet und von mir am Mittag abgeholt. Fischfiltes auf der Haut lassen und sorfältig entgräten. Weißweinsauce aus Schallotten/Weißweinreduktion, Fischfond angießen, wieder reduzieren, Sahne angießen, aufkochen und passieren, mit Salz abschmecken. Mit Safran aromatisieren und warm stellen. Filets zur zerlassenen Butter geben, Weißweinsauce angießen und pochieren. Sauce vor dem Servieren aufschäumen. Aufgabe des CdJ ist nicht das Zubereiten der Speisen selbt, sondern das Anleiten und Organisieren. Dazu gehört eine entsprechende Vorbereitung in der die Gerichte zunächst probegekocht werden. Ich halte mich ungern streng an Rezepte: mir geht es eher darum aus Rezepten Ideen herauszulesen und diese in meine eigene Vorstellung von leckeren Speisen einzuarbeiten. Gut helfen mir die Bücher von Thomas Vilgis, die meiner naturwissenschaftlichen Denke gerecht werden. Ein Beispiel: gedünstete Zwiebel werden in vielerlei Gerichten verwendet. Fragt man erhält man zur Antwort: Weil es schmeckt. Vilgis geht hier weiter und weist nach, wie durch die Zubereitung der Zwiebel der Glutamatgehalt ansteigt …. damit kann ich mehr anfangen. Für den Fisch probiere ich am eigenen Herd den Unterschied zwischen Weißweinsauce und Weißweinsauce mit Fischfond. Mit der Folge, dass ich für meinen Kochabend am Tag zuvor noch Fischfond zubereite … daneben köchelt ein halbes Suppenhuhn im Fond blanc, die Gemahlin schüttelt den Kopf.
Leber und Spätburgunder. Ein Rezept von Thomas Vilgis, die feinstofflichen Aromen der Kaninchenleber harmonieren perfekt mit der Lavendelsauce und Haller´s Spätburgunder, meinem derzeitigen Liebling aus seinem Keller. Eigentich ist´s ja sein Zweigelt, der ist aber noch nicht abgefüllt. Für die Lavendelsauce gerauchten Bauch, mit roten Zwiebeln und Knoblauch anbraten, mit Fond ablöschen, aromatisieren mit Lorbeer und Rosmarin, passieren. Rotwein dazu, wieder reduzieren, Lavendel infusionieren, Salz, Pfeffer. Eine Gastrique (Reduktion aus 70g Zucker und 100ml Essig) zubereiten. Grundsauce passieren, Gastrique zugeben. Etwas einkochen, ggf. mit Maizena binden. Leber melieren und vorsichtig braten, die Leber sollte rosa bleiben. Kochbruder M. putzt die Leber … und schneidet ordentlich ab. Ich bin da nicht so heikel. Jedensfalls reicht´s für alle acht Teilnehmer etwas Leber, eine großzügige Portion erhält am nächsten Tag das haarige Tier, die sich in einer seltenen Begeisterung darüber hermacht als gäb´s kein morgen.
Rind und Lemberger. Rindsbacken und Knochen scharf anbraten, Küchengrün dazu und mit Rotwein aufgiessen und schmoren. Vor dem Servieren eine Rotweinsauce bereiten. Paprika unmittelbar vor dem Servieren vorsichtig anbraten, mit Zucker leicht karamellisieren. Kaiserschoten blanchieren und mit Fond blanc glasieren. Polenta mit Milch kochen, auf einem Backblech trocknen und in der Pfanne anbraten. In unserer Küche gilt Kochbruder und Präsi R. als der Meister der Reduktionen, mein Schmorgericht weis ich hier bestens aufgehoben. Und wie gewohnt schafft es R. in mehreren (!)Töpfen, Pfannen und dem Backofen eine herrlich aromatische Sauce zu zaubern, die am Tisch später andächtig gelöffelt werden wird. Haller´s Lemberger, bei dem eher animalische Noten und Mineralität im Vordergrund stehen, erweist sich als hervorragende Begleitung zu den schwäbisch-hällischen Rindsbacken.
Schokolade und Spätlese. In unserer eigenen Küche sind Backwaren und Nachtische streng der Gemahlin zugeordnet. Ein Grund dafür ist, daß ich nicht gerne mit Küchenwaage und Maßbecher koche …. Jedenfalls erhalte ich rechtzeitig zum Einkauf für den Kochabend von der Gemahlin eine Zutatenliste und kopierte Rezepte. Glücklicherweise ist am Kochabend Schokoladenfreund Ralf dabei, der sich bald um den Nachtisch kümmert. Dazu genießen wir eine reife Spätlese von Jakob Jung aus Erbach im Rheingau. Von mir ersteigert im Auktionshaus Eppli;-))
Nachlese. Sich in einzelne Gerichte zu vertiefen ist zugleich spannend wie langweilig. Ich kann´s trotzdem weiterempfehlen. Denn so gelangen mir eine Woche nach meinem Kochabend die besten Ravioli al limone aller Zeiten … ohne die Kürbisteigtaschen wäre das nicht passiert.