Ein Samstag-Morgen im Juli. Theoretische Prüfung der Mitarbeiterinnen im Kursteil II der Gruppen- und Individualprophylaxe in der Hedwig-Dohm-Schule in Stuttgart. Das Prüfungunskomitee besteht aus dem Vorsitzenden Kollege H., der Mitarbeitervertreterin Frau S. und mir als Vertreter der Arbeitgeberseite. Für die erste Prüfungsgruppe sind drei Zahnmedizinische Fachangestellte (ZFA) vorgemerkt, Schlag 8 Uhr sind zwei Mitarbeiterinnen vor Ort, eine fehlt. Eine knappe Stunde später rufen wir die zweite Gruppe ins Zimmer, ebenfalls drei ZFAs. Eine vierte kommt mit dazu. Ich stand heute morgen im Stau, kann ich vielleicht später noch drankommen? Wir entscheiden auf bleiben und nehmen die Stausteherin als vierten Prüfling in die Gruppe. Erste Frage an sie. Wie entsteht Karies? Es ist die Frage die immer kommt. Immer deshalb, weil die Zahnfäule oder Karies die zentrale Erkrankung der Zähne darstellt und unsere Mitarbeiterinnen in der Individualprophylaxe nur zu dicht an diesem Thema dran sind. Oder anders gesagt, wie kann ich Karies vermeiden helfen wenn ich nicht weiß, wie sie entsteht? Die ZFA beginnt etwas zögerlich, schon bald fällt das Stichwort Essensreste. Kollege H. und ich stutzen, auch Frau S. legt die Stirn in Falten. Nachfrage ob Essensreste tatsächlich einen so großen Einfluß haben …. Im zweiten Anlauf der ZFA stehen wir auch schnell wieder bei den Essensresten. Nun denn. Wir haben´s Ihr dann nicht gegeben, einstimmige Entscheidung.
Karies ist eine multifaktorielle Erkrankung, bei der Zahnhartsubstanz geschädigt wird. Der Zahnschmelz reagiert auf die bakterieninduziete Säureberieselung mit lokaler, in der Regel deutlich abgegrenzten, durch Demineralisation enstandenen Defekten, die sich teilweise sogar wieder ausheilen lassen zumindest solange kein Substanzverlust eingetreten ist. Im Dentin hingegen breitet sich die Karies schrankenlos aus. Die mineralischen Anteile, also der Hydroxlapatit gehen unter der Säureeinwirkung in Lösung und verschwinden im Speichel. Übrig bleiben die 30% organische Bestandteile des Dentins und die sind ziemlich weich. Daher der Name Zahnfäule. Und so ist bei der Karieentfernung auch kein Diamantschleifer erforderlich, sondern nur ein Rosenbohrer. Die alles verursachenden Säuren werden von Bakterien sezerniert, es sind Abfallprodukte ihres Stoffwechsels. Das Ganze kommt dann in Schwung, wenn es den Bakterien gelingt, sich in Biofilmen auf der Zahnoberfläche zu organsieren. Mit Essensreste hat das nix zu tun. Biolfilme gibt´s auch noch wo anders im Mund. Dazu mehr in einem eigenen Beitrag.