
Ausflug ins Rheingau, zur Wiege der Spätlese. Zunächst aufatmen bei erreichen der Gegend am Samstag-Nachmittag: einzelne Weinhandlungen sind geöffnet, damit dürfte dem ein oder anderen MItbringsel nichts im Wege stehen.
Weindekaney, Erbach. Die freundliche Dame hinter den Tresen ist offensichtlich gut gelaunt, was wir an ihrem lauten Pfeifen zu erkennen glauben. Wunderbar. Und in der Tat bietet sie auf unser Bitten hin den ein oder anderen Tropfen an, ihre Empfehlungen lassen Sachkenntnis nicht vermissen. Und zu jedem Wein gibts ein frisches Glas, das sie direkt vor die Flasche stellt – so kann nichts verwechselt werden. Die kostbaren Erstes Gewächs-Flaschen bleiben allerdings verschlossen, „da hat schon der ein oder andere probiert und nicht gekauft“. Nun denn. Nach und nach verliert sie das Interesse, wir besichtigen daraufhin die Weinecke, um die verkosteten Weine ins Körbchen zu legen. Die Weinhandlung schein gut sortiert und ich würde gerne noch den ein oder anderen probieren. Am runden Tresen hat sich in der Zwischenzeit ein anderes Pärchen eingefunden, offensichtlich Freunde der Weinexpertin. Die beiden Frauen unterhalten sich angeregt, Mann hört zu. Jemand sei überfahren worden, tragisch, verletzte Körperteile werden besprochen. Gruselatmosphäre – Entsetzen gemischt mit einer ordentlichen Portion Neugierde wabert durch den Raum. Wir stehen im Rücken der Weinfrau und lauschen ungewollt. Versuchen uns bemerkbar zu machen, vielleicht noch eine Empfehlung zu ergattern…. und geben auf. Ab zur Kasse. Frau gute-Laune kommt uns nach und entschuldigt sich, sie hätte uns den Rücken zugedreht, es täte ihr Leid ….
Schloss Reinhartshausen, Erbach. Die Weinhandlung von Schloss R. ist ein üppig sortiertes Lädchen, in dem neben den Weinen noch etwas Feinkost angeboten wird und allerhand Lesestoff. Den Visitenkärtchen nach handelt es sich hinter der Ladentheke um Frau K., so zumindest unsere Vermutung. Wir erbitten eine Empfehlung woraufhin wir einen Inselwein verkosten können, angebaut auf der Mariannenaue, der größten Rheininsel. Nicht ganz unser Geschmack, vielleicht noch was anderes? Frau K. zaubert schnell zwei neue Flaschen aus der Kühle, dazu der Hinweis wir mögen bitte den Rest in den bereitstehenden Krug gießen. Ob ich auch ein frisches Glas bekommen könnte? Frau K. reagiert merklich verwundert, ein frisches Glas? Die weiteren Empfehlungen munden, Katja und ich treffen Kaufentscheidungen, Frau K. ist ganz bei der Sache. Und wir würden noch gerne von den ordentlichen Flaschen naschen. Kein Problem für Frau K., auch dieses Mal mit frischen Gläsern, Hahaha? Nun, was den Marcobrunn angeht, der hat ein eigenes Glas durchaus verdient, darin Rafinesse und Eleganz ganz wunderbar zur Geltung kommen. Leise klimpern die Flaschen im Heck, als wir gemächlich vom Schlosshof fahren.
Schloss Johannisberg, Schloss Johannisberg. „Sie können die Wein kosten, die Sie kaufen möchten,“ antwortet mir der Herr hinter der Theke, als ich ihn am Sonntag-Vormittag nach Verkostungsmöglichkeiten frage. Ob es auch möglich ist, zuerst zu verkosten und dann zu kaufen? Geht. Ich frage nach einer Spätlese und bekomme einen zauberhaften Tropfen angeboten, der von großer Weinmacherkunst zeugt. Ich nicke zufrieden und frage den strengen Herrn nach weiteren Möglichkeiten. Die sind anscheinend im Kabinett-Bereich zu finden, was von der Abfolge her etwas unglücklich gewählt ist … sind doch die Spätlesen von der komplexeren, weichern Sorte, während die Kabinette eher härter und kantiger erscheinen. Dehalb erst Kabinett und dann Spätlese, nicht umgekehrt. Aber bei dem relativ bescheidenen Start ins Verkosten tut das auch keine Sache mehr. Während der Herr den neuen Verkostungswunsch mit entsprechender Strenge kommentiert, stellt er einen Blechkrug vor meine Nase. Erst den Rest entsorgen bevors weitergeht. Ich riskiere keinen Wiederspruch. Als er mir später meine ec-Karte zurück gibt, höre ich ein halbwegs aufmunterndes „und hier Ihre Karte Herr Dr. Gerner“, vielleicht hats der Kunde nach mir etwas einfacher …..
Frankfurt Ironman

Am Tag danach gönne ich mir praxisfrei, räume die Sachen ausm Auto, hänge alles zum Trocknen in die Sonne und fahre mit der Mühle durch die Waschanlage. Was man eben so macht, wenn ein Dreh- und Angelpunkt der vergangenen Monate erledigt ist, abgehakt, Geschichte. Aufräumen, Putzen, Weitersehen.
Heute ist der Tag nach dem Frankfurt Ironman, während die Oberschenkel schmerzen ist der Geist ist angenehm frei und klar. Und dankbar. Das alles gut gelaufen ist, die Mühen der letzten sieben Monate sich gelohnt haben. Dankbar für die Klitzekleinigkeiten. Der Teilnehmer der sein bike neben dem meinem stehen hat und mir ordentlich von seinem Melkfett abgibt. Für meinen Nacken, der sonst nach einer Stunde neoschwimmen schmerzen würde wie Hölle. Ein anderer hat einen orangenen sks-Rennkompressor dabei und ich komme tatsächlich noch in den Genuss von 8 bar in den Reifen, 15 Minuten vor dem Rennen und im allergrößten Stress. Oder Bettina und Petra von Tria Echterdingen, denen ich auf dem Weg zum Schwimmstart begegne – zwei von 2.350 Teilnehmern – und die noch einen blendenden Tipp fürs Schwimmen haben: immer auf die Powerbar-Flasche am gegenüberliegenden Ufer zielen, dann bist du auf dem richtigen Kurs. Und Detlev, auch vom Verein und als Zuschauer beim Start, der mir liebevoll den Neo zubastelt. Und noch vieles mehr.
Schwimmstart in Frankfurt ist Waschmaschine pur. Es wird geschubst, gedrängelt und weggeschoben was geht. Die Kunst ist seinen eigenen Weg durch dieses Chaos zu finden und möglichst nicht außen rum zu schwimmen. Es hagelt diverse Volltreffer auf die Schwimmbrille, glücklicherweise keinen auf die Zähne. Ich komme gut weg und kann mich auf einer knappen Linie nahe den Bojen halten. Die Radrunde fällt ins schlechte Wetter mit Höhepunkt auf der zweiten Runde: der Wind hat derart aufgefrischt, das die Atheleten schräg auf ihren Rädern hängen, damit sie die Böen nicht von der Strasse pustet. Aber es gibt ja immer zwei Seiten einer Geschichte: Die Klamotten sind ratzfatz wieder trocken und die Finger und Zehen tauen auf. Vier Runden entlang des Mains und fertig ist der Marathon, so der Plan. Mein Wechsel aufs Laufen gelingt gut und ich mache zügig Strecke. Wie gehabt mit der Spezial-Diät. Immer einen Schluck Cola in den Mund, die restliche Portion aus dem Becher landet auf dem shirt. Dazu etwas Banane. Auch die düsteren Kilometer zwischen 20 und 30 gehen vorbei, danach beginnt der Traum Wirklichkeit zu werden: das finish auf der zweiten Langdistanz.
Oft wurden mir vor dem Wettkampf folgende Fragen gestellt:
Warum Ironman? Ich laufe seit nunmehr 20 Jahren, mein erster Marathon war in Berlin 1991. Seitdem laufe ich, aus Lust am Laufen, am Draußen sein, am Alleine sein. Ein Ausflug in den Triathlon endet 1993 so schnell wie er begonnen hatte: Der Anzug fürs Freiwasserschwimmen war finanziell nicht darzustellen und blitzeblau steige ich als gefühlt allerletzter aus dem Schömberger See. Entweder Anzug oder … Die Entscheidung fällt zu Gunsten des oder bzw. des Marathon. Zurück bleibt die tiefe Faszination an der Ikone des Triathlon: der Langdistanz über 226 Kilometer. Vor einigen Jahren dann ein neuer Anlauf im Triathlon. Nicht zuletzt deshalb, da das Training dreier Disziplinen wesentlich ausgeglichener ist als nur einer. Und es kam wie es kommen musste, die erste Langdistanz 2009 …
An was denkst du die ganze Zeit? Der Ironman hat keinen Philosophen aus mir gemacht, soviel ist sicher. Vielleicht müsste die Frage eher so lauten: Was fühlst du beim Ironman? Da ist die Antwort einfacher: Da ist ein ganz grosses Stück Dankbarkeit, wie schon erwähnt. Freude darüber dabei sein zu können, die Möglichkeit zu haben, sowas erleben zu dürfen. Das hierbei zig Stunden Training dahinter stecken, ist merkwürdigerweise keine Überlegung in diesem Augenblick. Dann ist da noch ordentlich Selbstvertrauen und ein Rest von der Angst, aus den Tagen vor dem Wettkampf ;-))
Ist das dein letzter Ironman? Nein. Wäre schade um die großartigen Sporterlebnisse, die da noch warten.
Davos
Radtrainingslager über Christi Himmelfahrt und den Brückentag in Davos.
Donnerstag. Die 1500 Höhenmeter von Tiefencastel bis zur Passhöhe des Albula erweisen sich als zäher Brocken. Und das am ersten Tag. Die gemütliche Stunde von Davos bis Tiefencastel zum Einrollen, danach knapp 2 Stunden ab Filisur bis zum Albula-Hospiz. Die Abfahrt nach Samedan ins Oberengadin eine Art Sturzflug, Mittagessen in St-Moritz und weiter über Zernez nach Susch, dort befindet sich die Auffahrt auf den Flüela. Die ersten Meter sind ordentlich steil, im oberen Drittel gehts etwas flacher zu, dafür ziehts sichs ewig. Am Abend stehen 150 Kilometer aufm Tacho, bei einer Fahrtzeit von 6:30 h. Raimond und ich sind rechtschaffen fertig und besprechen abends bei öliger Pizza den nächsten Tag. Bald steht eine ordentliche Runde fest, die kleineren Unannehmlichkeiten des ersten Tages sollten für den zweiten Tag keine Rolle spielen.
Freitag. Der Splügen steht auf dem Programm. Dazu wird erst ins Rheintal abgefahren, um über Thusis und die Via mala nach Splügen hochzuradeln. Das Radfahren auf den teilweise gut befahrenen Hauptstraßen ist eigentlich unproblematisch, hin und wieder werden aber mit roten Hinweisschildern Nebenstrecken für Radfahren angeboten. Wir biegen ab, haben die Straße für uns alleine und kurbeln einsam das Vorderrheintal hoch. Kurz vor Splügen ein See, das rote Radelerschild weist nach links. Aus Asphalt wird Schotter, Rücksprache mit dem Kollegen: „Das geht!“ Wenig später Gegenverkehr: ein Trupp Bündner Kühe kommt uns entgegen, die Lauscher neugierig nach vorn. Kurzer Austausch mit der Anführer-Kuh, ja, es ist genug Platz für alle.

Nach Splügen-Pass ab nach Chiavenna mit prima Gelato, dann Richtung Maloja-Pass. Nach 6:30 h im Sattel noch kein Oberengadin in Sicht, dafür macht sich schlechte Laune breit. Prima dass stündlich der Postbus die Strecke fährt, Räder hintendrangehängt, wir vorne eingestiegen – wir haben nun 13 h Gesamtfahrzeit aufm Zettel und es besteht kein Grund zu meckern.
Samstag. Der dritte und letzte Tag mit einer Fahrt über den Julier nach St.Moritz und wieder, wie am Tag zuvor, mit der Rhätischen Bahn zurück nach Davos. Der Julier ist die zentrale Achse ins Oberengadin, dementsprechend ist mehr Verkehr unterwegs und gut was los auf der Passhöhe. So gäbe es die Möglichkeit, den letzten Pass mit Bratwurst und Pommes zu feiern, alleine die gefühlten 0° drängen zum Aufbruch. Am Nachmittag noch eine Runde Schwimmen im örtlichen Hallenbad, dann ab Richtung Heimat. Im Gepäck: 4 ordentliche Pässe, bei knapp 400 km und rund 6000 Höhenmeter. Raimond: „Hätte schlechter laufen können“.
Karlyn und die Jungs

Karlyn auf ihrer jährlichen Europatour – zwischen London und Paris kommt sie wieder in Stuttgart vorbei. Nach einer privaten lecture für Raimond und mich im Leo-Vetter dann einen Tag später Kurs in Echterdingen, an dem mehrere Freunde und zwei Trias teilnahmen. Und, wie gehabt, unzählige you did awesome, Tipps und Ermunterungen. Warum können zahnärztliche Fortbildungen nicht ähnlich kurzweilig sein?
Hügeltour
Zweiundzwanzig Jahre sind eine schiere Ewigkeit im Sport, nicht das kaum ein Sportverein das 10-jährige Bestehen nicht erreichen würde, es sind die Kleinveranstaltungen die wenig Bestand haben über einen derart langen Zeitraum. Eine der erfolgreichen ist die Plüderhäuser Hügeltour, die am vergangenen Wochenende zum 22. Male veranstaltet wurde. Es handelt sich um eine RTF, also eine Radtouristikfahrt die in Plüderhausen gestartet wird und über verschiedene Kurse mit unterschiedlichen Längen und Höhenmeter geführt wird. Raimond und ich hatten uns für die große Runde entschieden und entsprechend früh die Wecker gestellt. Nämlich auf sechs, eben wie zu einem normalen Arbeitstag in der Praxis auch. Sonntags. Treffpunkt ist an der Schwabengarage, Kollege kommt pünktlich und hat ein ordentliches Schlafdefizit im Gepäck, was sich an sehr kleinen Augen und einer leicht verwaschenen Aussprache erkennen lässt. Überhaupt ist wie bei einem alten Ehepaar auf Ausflug: der eine sitzt im am Steuer, der andere kennt (meistens) den Weg. Und schmiert die Brote. Kurz vor Waiblingen läßt sich Fahrer einen snack anbieten und ist daraufhin hellwach und vor allem wieder zu verstehen.
Das wichtigste an einer RTF: das Wetter. Es soll trocken bleiben bei rund 12 Grad im Durchschnitt. Armlinge und Beinlinge an, Kärtchen kaufen und los. Die Hügeltour ist Teil der Vorbereitung auf Frankfurt, deshalb die 170er Runde mit kräftig Höhenmetern. Die Streckenführung lässt keine noch so kleinen Rampe aus, denn, Hand aufs Herz, echte Berge mit langen Anstiegen gibt das Gelände nicht her. Es geht durch den Welzheimer Wald („Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald“) Richtung Heilbronn, der Wendepunkt ist bei Untergruppenbach. Die Strecke ist annährend verkehrfrei auf wenig befahreren Sträßchen und Fahrradwegen und geht entweder rauf oder runter. Hügeltour eben. Kleine Höhepunkte auf der Runde: die Verpflegungsstellen. Radfahren macht hungrig, weshalb bedenkenfrei alles gegessen werden, was reinpasst. Belegtes Brot, danach Banane, getrocknete Aprikosen und zum Nachtisch Haribo. Und noch ein Balisto in die Tasche für den kleinen Hunger zwischendurch. Irgendwann sind wir an der Kontrollstelle in Beilstein und uns einig nach einem ewigen bergauf bergab mitten in Trollinger, Riesling und Sylvaner: bitte keine Weinberge mehr. Überhaupt machen sich gewisse Längen bemerkbar, Zipperlein tun sich auf, die Gespräche schleppen sich dahin. Und das Wetter wird auch ungnädig. Regentropfen machen die Sache nicht gemütlicher, kalt wirds. 3o Klilometer weiter ändert sich wieder die Lage. Es sind nach und nach mehr Radsportler unterwegs, die kürzeren Runde werden aufgegabelt. Das fördert die Stimmung, „schau mal den Kerl“, „was für ein tolles bike“ und „die holen wir uns“. Und irgendwann gehts wieder Richtung Berglen, die letzte Rampe vor dem Ziel. Dort scheint inzwischen die Sonne, die vertrauten Bänke im bekannten Orangeton sind aufgestellt, Weizen wird getrunken, rote Würste gegessen. Ein Kuchen zum Nachtisch, bis nächstes Jahr.
2012 wird die Hügeltour wieder auf einer komplett neuen Strecke ausgetragen, im Jahr darauf dann in der Gegenrichtung. Auch das hat Tradition in Plüderhausen: die Abwechslung. Bestimmt auch ein Grund warum nach 22. Jahre kein Ende in Sicht zu sein scheint.
Notfalltraining
Notfalltraining in unserer Praxis und Referent Uwe Bösel ist in seinem Element. Gewürzt mit allerhand interessantem wie kuriosem aus seiner langen Praxistätigkeit macht er aus einem trögen Notfallsnack einen schmackhaftem Leckerbissen. Immer in Bewegung, aufmerksam seine Teilnehmer beobachtend vermag er gleichermassen zu begeistern wie zu fordern und für seine Sache zu gewinnen: einen einfachen und effizienten Ersthelfereinsatz wenn Not am Mann ist. In gut vier Stunden Notfalltraining herrscht nicht eine Minute Langeweile oder Desinteresse, ob es die einfache Bergeübung aus dem Patienten-WC, der kleine Notfall in Behandlungszimmer oder der Super-Gau in Form einer Reanimation ist. Bösel treibt an, bringt zum Lachen, macht nachdenklich und hat immer wieder Tipps und Tricks auf der Pfanne, die einfach sind, gut zu merken und im Ernstfall hoffentlich halten was sie versprechen. Aber soviel Vertrauen muss sein. Fazit: Klasse Referent für ein heikles weil bisweilen sehr verklausuliert diskutiertes Thema. Absolut empfehlenswert.

